Im Studio mit: Rusell Cobb
Russell Cobbs Universum ist so tief und voller Geheimnisse
wie das reale. Auf spielerische Weise erforscht der englische Künstler und
Illustrator die Zusammenhänge von Körper, Geist und Welt. Dabei gelingt ihm
eine Bildsprache, die narrative und abstrahierende Elemente voller Leichtigkeit
und sanfter Ironie verbindet.
Ausgebildet in London und Zürich arbeitet der mehrfach
preisgekrönte Illustrator nun wieder in London und wurde jüngst zum Chairman
des britischen Institute of Illustrators gewählt. Neben seiner eigenen
künstlerischen Arbeit unterrichtet er außerdem an verschiedenen europäischen
Hochschulen.
Cobbs Arbeiten setzen sich zumeist aus mehreren Bildfeldern
zusammen, die mittels humorvoll erklärender Sätze oder Beschriftungen zu einer
thematischen Einheit zusammengefasst werden. Inspiriert wird der Künstler dabei
von Illustrationen und Schaubildern aus Enzyklopädien oder wissenschaftlichen
Lehrwerken. Sein Stil jedoch ist in weiten Teilen eher malerisch. Fein aufgetragene,
aber leuchtende Acrylfarben bilden sein bevorzugtes Medium. Die Körpervolumen
der dargestellten Figuren sind zwar angedeutet, ihre Formen hingegen sind
puppenhaft stilisiert und vereinfacht. Sowohl die geometrische
Figurenauffassung Oskar Schlemmers bzw. des Bauhauses als auch die
neusachlichen Gestalten eines George Grosz müssen hier als kunsthistorische
Traditionslinie erwähnt werden. In ihrer beinah konstruktivistischen Reduktion
und scharfen Begrenzung erinnern die Einzelformen der Gegenstände und
Farbfelder darüber hinaus an die amerikanische Hard-Edge-Malerei, wie sie
beispielsweise Kenneth Noland vertreten hat.
Im thematischen Fokus von Cobbs Arbeiten steht häufig die
eigene kreative Existenz, die er in ihrer Interaktion mit den Herausforderungen
der technisierten Umwelt durchleuchtet. Wie z. B. in der Arbeit Unused Ideas, die seine eigenen,
ungewöhnlichen oder unbenutzten Einfälle illustriert, findet er dabei zu
phantastischen und verblüffend originellen Bildern. Ein gehöriges Maß an Selbstironie
ist außerdem dabei, wenn er in großen roten Lettern seinen Namen und den Titel
der Arbeit ins Bild setzt und in scheinbarer Eigenwerbung zur Entdeckung seiner
unbenutzten Ideen auffordert.
Das ironische Infragestellen dient jedoch nicht allein humoristischen
oder unterhaltenden Zwecken. Vielmehr unterstützt es die Suche nach den inneren
Zusammenhängen einer Welt, die aus visuellen Eindrücken besteht. Das
Spielerische setzt nicht die Eindrücklichkeit außer Kraft, mit der die
Bildgeschichten wirken und die Betrachter zur gespannten Teilnahme auffordern.
In dieser Weise sind Cobbs Arbeiten Schau-Bilder im eigentlichen Sinne. |